Vorbereiten – warum?

Menschen werden durch diverse Einflüsse geprägt. Dabei sind sicher der Beruf und der Arbeitsplatz wesentliche Größen. Ich habe lange in der Qualitätssicherung gearbeitet 🙂

will sagen: bei mir muss alles genau passen

Das Thema Vorbereitung ist so individuell wie die Reise selbst. Was ich hier schreibe, kann man deshalb keinesfalls verallgemeinern, aber vielleicht kann ich damit Anregungen geben.

Der Entscheidung zu einer Weltreise kam bei mir nicht von heute auf morgen, sondern hat sich mit der Zeit immer mehr konkretisiert bis ich den Entschluss gefaßt habe – ja, mache ich. Dazu beigetragen haben Informationen von anderen Reisenden, die ich über Vorträge und über Berichte im Internet verfolgt habe und außerdem meine eigenen Radtouren in den Jahren davor.

Informieren, recherchieren

Ich habe von Routen, Orten und Ländern gehört und gelesen bei denen ich mir gesagt habe – das will ich auch. Es gibt Listen im Internet und sogar Bücher mit dem Titel: «Places to see bevor you die». So ein Buch habe ich einmal geschenkt bekommen. Ich habe mir die Highlights in eine Liste geschrieben und für mich nach Wichtigkeit sortiert. Einige konnte ich bereits abhaken, andere erschienen mir nicht so interessant. Die, die übrigblieben, sind nun mögliche Station auf meiner Reise.

Roadbook

Weitere Listen, die ich schon seit längerem pflege, sind eine Zeitplanung, eine Finazplanung und ein Roadbook. Das Roadbook ist mein zentrales Planungstool. Es enthält Spalten für Datum, Ort, Entfernung, Geschwindigkeit, Ruhetage und andere. Einige Spalten werden dabei automatisch berechnet.
Die Entfernung vom russischen Grenzübergang Terehova in Lettland bis zum Grenz-übergang Oral in Kasachstan auf einer mit Google Maps erstellten Route über Moskau, Kasan, Samara beträgt ca. 2000 km. Bei einer angenommenen Durchschnitts-geschwindigkeit von 75km/Tag kommt man auf 27 Tage zzgl. Ruhetage. Ein Touristen-visum gilt max. 30 Tage, d.h. es wird knapp. Bei 2-3 Ländern kann man das noch im Kopf rechnen, aber bei geplanten über 50 Länderen macht eine Excel-Liste schon Sinn. Ich überlege, ob ich hierzu nicht mal eine App entwickle.

Wozu die ganze Planung?

Aus Erfahrung weiss ich, dass eine Tour über Monate im Voraus nicht planbar ist. Das ist ja auch der Reiz einer solchen Reise. Man sucht die Freiheit in den Tag hinein zu leben. Dazu muss man immer wieder improvisieren und auf Widrigkeiten reagieren. Tatsächlich ist es aber nicht ganz so. Man unterliegt durchaus einigen Regeln, die den Reisealltag bestimmen. Für mich ein zwingender Grund für eine gute Planung. Erstens das Thema Visum. In den meisten asiatischen Ländern gibt es starke Einschränkungen was die Aufenthaltsdauer betrifft. Zweitens die Jahreszeiten und das Wetter. Es ist nicht so ratsam zur Regenzeit durch Vietnam oder Laos zu fahren oder im Winter durch Alaska.

meine Vorgeschichte

Ich glaube, so wie ich träumen viele Menschen von einer Weltreise. Für fast genauso viele bleibt es der ewige Traum. Träume sind wichtig um sie zu verwirklichen braucht es manchmal viel Mut.

Ich springe nicht in ein tiefes Wasser, wenn ich nicht vorher schwimmen gelernt habe. So denke ich auch in Bezug auf eine Fahrrad-Weltreise. Nach einigen (Fahrrad)-Gruppenreisen stand für mich zudem fest, dass ich allein reisen werde und das erfordert einmal mehr eine gute Vorbereitung.

Westweg im Schwarzwald 2001

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts überredet mich ein Freund mit dem Radfahren anzufangen. Meine Kondition war etwas eingerostet, aber das änderte sich ab da. Es folgten Jahre mit intensivem Mountainbike Training. Als ich fit genug war, wollte ich meine Reiseleidenschaft mit dem neuen Hobby kombinieren. Ich habe an verschiedenen MTB-Gruppenreisen teilgenommen und dabei  festgestellt, daß Mountain Biken und Bergwandern wunderbar zusammenpassen.

  • 2001 AlpenCross Oberstdorf – Gardasee
  • 2002 AlpenCross Garmisch – Lago Maggiore
  • 2003 kleine Touren , SchwarzWald, Alpen, Italien
  • 2004 kleine Touren, SchwarzWald, Alpen , Italien
  • 2005 AlpenCross Garmisch – Bozen
  • 2006 Tibet – Nepal
  • 2007 Killimandscharo, Kenya
  • 2008 AndenCross Argentinien – Chile
  • 2009 kleine Touren Kocher-Jagst

meine Vision

Als wir 2006 das Basislager am Mt. Everest erreichten, entstand der Wunsch, auch die anderen der 7-Summits zu bereisen. Also per Fahrrad zu den jeweils höchsten Bergen eines jeden Kontinents zu fahren. Dieser Plan ließ sich leider nicht zu 100% umsetzen, da Radfahren in der Antarktis als auch im Urwald von Neu Guinea nur bedingt oder gar nicht möglich ist.

Bergtour zur Eiger Nordwand. Mönch-Jungfrau, Schweiz

Reise- und Naturfotografie

Die meisten Menschen fotografieren im Urlaub. Ich auch – bei mir führte das zu einem neuen Hobby, in das ich mich immer mehr hineingesteigert habe. Ich reise gern, ich reise per Fahrrad und ich möchte das Erlebte in möglichst hochwertigen Fotos festhalten. Bei organisierten Gruppenreisen, wie ich sie bisher gemacht hatte, war fotografieren nur bedingt möglich.

die erste Auszeit

Inspiriert von einem Buch das ich gelesen hatte, entstand der Plan einer selbst organisierten Reise. Ich habe mir eine Auszeit von Beruf und Alltag genommen um eine 3-monatige Reise durch Südamerika zu machen. Mit dabei war, mein Fahrrad, eine Fotoausrüstung und eine Hochgebirgsausrüstung.

Obwohl bei dieser ersten Alleinreise so manches gründlich schiefgegangen ist, wusste ich anschliessend, dass ich es kann und es mir Spass macht allein in der Welt unterwegs zu sein.

auf dem Weg zum Passo Aqua Negra, Chile

Den konkreten Plan, eine Weltreise zu machen, gab es zu dieser Zeit noch nicht.  Meine Träume waren damals noch bescheidener. Ich wollte auf der Carretera Austral 1200km durch Chile radeln.

Nach der kostspieligen Auszeit 2010/11 musste nun erstmal wieder Geld verdient werden. Nun hatte ich wieder Grund zum Träumen um die Zeit bis zur nächsten Reise zu verkürzen. Meine Träume schaukelten sich auf und es entstand der Plan für eine Weltreise – allein und mit dem Fahrrad.

Bedenken kann man zu verschiedene Themen einer Reise haben. Die Frage, die ich mir zuerst gestellt hatte war: schaffe ich es meine Pläne umzusetzen?

Wirklich fit, mental und finanziell, fühlte ich mich noch nicht um allein so eine mehrjährige Reise durchzuführen. Ich entschied zunächst noch mehr Erfahrungen zu sammeln mit kürzeren überschaubaren Touren.

  • 2010 Auszeit 3 Monate Chile/Argentinien
  • 2013 Küstenradweg Dänemark, Schottland
  • 2014 Rund um die Nordsee + Island, 5000km
  • 2015 Lübeck – Prag
  • 2016 Nordkap-Athen-Heidelberg, 8400km
  • 2017 kl. Touren Schwarzwald
  • 2018 kl. Touren Schwäbische Alb

das liebe Geld

auch wenn man spartanisch mit dem Fahrrad reist braucht man es. Es gibt Radler, die mit 10€ pro Tag auch über einen längeren Zeitraum auskommen. Das habe ich bisher nie geschafft. Je nachdem in welchem Land man unterwegs ist waren es bei mir immer 30-50€ pro Tag. Auf kurzen Touren mag das ok sein, aber für eine Weltreise ist es sicher zu viel. Ich arbeite daran. Am meisten Geld kann man sparen, wenn man konsequent wild zeltet und immer selber kocht. Ich werde dieses Thema hier im Blog sicher noch mehrmals aufgreifen.

Cockpit 2016

Realistische Kosten auf einer Weltreise liegen bei ca. 10.000€ pro Jahr. Meine Reise wird ungefähr vier Jahre dauern. Nach reiflicher Überlegung bin ich inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass eine solch kostspielige Reise für mich erst möglich ist, wenn ich pensioniert bin und bis dahin muss möglichst viel gespart werden.


Gedanken zum Thema Weltreise

7,6 Milliarden Menschen gibt es 2019 auf der Erde, Tendenz steigend
Bild: picture-alliance/dpa

1953 stand der erste Mensch auf dem Mt. Everest. Es gab nicht viele, die das damals geschafft hätten. Mittlerweile versuchen jährlich mehrere Hundert Menschen den höchsten Berg der Erde zu besteigen. Ähnlich ist das bei anderen Sportarten.

1964 begann Heinz Stücke seine Fahrradweltreise, die dann 50 Jahre andauerte. Sicherlich auch ein Rekord. Beobachtet man per Internet die Fahrrad-Weltreise-Scene, stellt man schnell fest, das heute viele Radler, aus allen Ländern, unterwegs sind – auf der langen Meile rund um den Globus.

Das Internet verbindet uns dabei, es verkleinert Distanzen und baut Brücken. Ich glaube, unter den 7.600 Millionen Menschen, gibt es viele denen genau jetzt gleiches durch den Kopf geht wie mir:

einfach losfahren und die Welt kennenlernen

Ist einfach gesagt, es gibt auch durchaus Gründe die der Umsetzung dieses Gedankens im Wege stehen. Ich z.B. bin inzwischen Ü60 und meine Lebenserfahrung bremst meine Spontanität dramatisch aus. Oder sollte ich besser sagen die Spontanität weicht der vermeintlichen Vernunft. Ich glaube:

die Vernunft verliert irgendwann, wenn nur
die Sehnsucht groß genug ist.

Mein Vater wollte seine Kinder in die Welt schicken um Erfahrungen zu sammeln so wie er es erfahren hat. Ich dachte damals, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten (USA) wartet auf mich, ist mein Start in die Zukunft. Es war dann aber doch nur die Werkzeugfabrik im Nachbarort in der ich zum Elektriker ausgebildet wurde.

Meine Vision wurde Opfer der Normalität

Der Beruf wurde nun das Wichtigste. Geld verdienen und Karriere machen das oberstes Gebot. Früher oder später aber besinnt sich mancher. Die Sehnsucht, das Fernweh kommt zurück. Die berufliche Karriere verliert an Wichtigkeit.

Was ist wichtig im Leben?

Das muss sicher jeder für sich entscheiden. Für mich war es irgendwann nicht mehr der Elektriker sondern mein Fernweh. Ein entscheidender Milestone für mich war meine erste Velo-Fernreise. Auf dem Weg von Lhasa nach Kathmandu vorbei am majestetischen Mt. Everest wurde mir wieder klar was ich schon als Jugendlicher wollte:

einfach losfahren und die Welt kennenlernen